Martin Hornstein
   
         
 
Pressereaktionen zu "UNTER SCHALL – Gedichte im Zweiklang"
 

LITERATURHAUS / SEMIER INSAYIF
Wörter tauchen auf, tauchen ab

Wo im Körper nimmt Sprache ihren Anfang? Semier Isayif, Samstag (30.1.) Gast im Literaturhaus, setzt Sprache noch lange vor dem ausformulierten Wort an: als lautmalerische Bewegung, die sich aus der Gesamtheit Mensch gebiert.

02/02/09 Die Sprache strömt und sprudelt aus der Schwingung des Körpers, vergleichbar einer rhythmischen Grafik von Lauten. Sprache ist für Insayif als Ausdrucksmittel der Musik eng verwandt, bezeichnen wir doch auch die Sprachmelodie als Resonanz des Stimm-Körpers.
Sowohl Musik wie Sprache basieren auf einer konstruierten und kunstvollen Form. Um sich mitteilen zu können und allgemein verstanden zu werden, folgen sie einem verbindlichen Verständigungs-Kodex. Der Sprache wie auch der Musik mit hohem Interesse zugetan, sucht Insayif Konstruktionsprinzipien klarzulegen, sie auch gegeneinander auszutauschen, spielt und experimentiert auf einer reichen Klaviatur von Wörtern. Bereits Paul Klee, gleichermaßen hochbegabter Musiker und Maler, sprach davon, sich für sein malerisches Werk auf einer Klaviatur der Farbpalette zu bedienen.
 
Im Lauf des Abends gerierte sich Insayifs Körper als Klangraum, über den er den Besucher an die gemeinsame Wurzel von Sprache und Musik heranführte. Leidenschaftlich, sanft, abstrakt, sinnlich, beschwörend, unermüdlich. Etwa an Beispielen aus seinem Gedichtband „libellen tänze“ oder der zuletzt erschienenen Lyrikausgabe „Unter Schall“: Ausgehend von den sechs Bach’schen Cello-Suiten formuliert er lyrische Sequenzen, überträgt das Ordnungssystem der Klänge in Poesie, inspiriert, konsequent in höchster Konzentration. Musikeinspielungen führen in die musikalischen Themen ein.
 
Ganz nebenher erfährt der Besucher eine Menge wunderbarer Dinge über Libellen, über Instrumente und Musikkultur aus dem fernen Bagdad, zurückgehend in archaische Zeiträume, hereinreichend in die verbliebenen Gebräuche der Gegenwart. In erzählerischer Manier leitet Insayif die deutsche Bezeichnung „Laute“ aus dem Arabischen ab, vergisst nicht andere interessante Musikinstrumente wie Stichgeige, Hackbrett und Schellentrommel zu erwähnen. „Wörter tauchen auf, tauchen ab“, sagt Insayif einmal an diesem Abend, sie mäandern von Insayif bewegt und begleitet im Raum.
Vom 30. Jänner bis zum 1. Februar veranstaltete das Salzburger Literaturforum Leselampe eine Schreibwerkstatt mit Semier Insayif. Demnächst erscheint der erste Roman des 1965 in Wien geborenen geborenen freien Schriftstellers.

Von Ulrike Guggenberger

 
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