Martin Hornstein
   
         
 
„Der Tod und das Mädchen“
 

eine literarisch-musikalische Durchdringung


… auf den Spuren von
Matthias Claudius, Franz Schubert,
Semier Insayif & dem Carcassonne String Quartet …

„Eine atemberaubende und intelligente Durchdringung musikalischer und literarischer Intensität.“

"Der Tod und das Mädchen", ein altes Sujet, erscheint im Zwei-Klang von Text und Musik frisch, spannend, überzeugend – neu. Die Durchdringung von Sprache und Streicher-Klang, die als intensives, exakt moduliertes und doch durch beiderseitige improvisatorische Freiheit belebtes Spiel daherkommt, wirkt und berührt: im Zuhören, im Ergründen und, lange, im Nachhall.
Manfred Müller (Österreichische Gesellschaft für Literatur)

In diesem äußerst spannungsgeladenen und gleichzeitig filigranen künstlerischen Projekt werden verschiedenste musikalische und poetische Spuren aufgesucht, begangen und weitergedacht.

„Vor-Geschichte“

Die erste Spur zeigt sich im kunsthistorischen Kon-Text. „Der Tod und das Mädchen“ ist ein Sujet der bildenden Kunst, das bereits während der Renaissance mannigfaltige Ausprägung und Beachtung fand. Am prominentesten wohl bei Hans Baldung Grien (1484/1485 - 1545), der einer der erfolgreichsten deutschen Maler, Zeichner und Kupferstecher zur Zeit Albrecht Dürers war. In zahlreichen Variationen schuf Baldung einen von kraftvoller Sinnlichkeit erfüllten Schönheitskult, für den es in Deutschland kaum Vorgänger gegeben hatte: die Frau als Eva, als antike Göttin, als Hexe, als Verführerin – alle Verkörperungen des blühendsten Lebens, aber im Kontrast als Memento mori häufig bedroht durch die unausweichliche Gegenwart des Todes in Gestalt schauerlicher Skelette, die dem Leben ein Ende setzen. Der manchmal sehr starke Aspekt der Erotik spiegelt auch eine Auseinandersetzung mit den unter den damaligen Humanisten durchaus bekannten und gelesenen antiken erotischen Texten wider. Hans Baldung Grien verstand es auch spielerisch und ironisch mit Erotik und Frivolität umzugehen und er narrte bewusst den Voyeur mit einem Wechselspiel aus Verlockung und Verhinderung, indem er das scheinbar Freizügige geistreich versteckte.
Das Bild „Der Tod und das Mädchen“ („Der Tod und die Wollust“), 1517, 30,3 × 14,7 cm, gefirnisste Tempera, Lindenholz, befindet sich im Kunstmuseum Basel.

Die nächste Spur, im Bereich der deutschsprachigen Poesie gelegen, bietet das kurze und nicht minder eindrucksvolle Gedicht „Der Tod und das Mädchen“ von Matthias Claudius (1740-1815). Dieses zweistrophige Gedicht, das seine erste Veröffentlichung im Jahr 1774 erfuhr, zeichnet sich durch den unheimlichen Dialog eines jungen Mädchens mit dem Tod aus. Es wurde zur textlichen Grundlage für Franz Schubert, der das Claudius Gedicht 1817 zum berühmten gleichnamigen Lied vertonte. Sieben Jahre später 1824 komponierte Schubert das Streichquartett Nr. 14 d-moll, D810, das geradezu symphonische Qualitäten mit zartesten und intimsten kammermusikalischen Passagen verbindet. Es trägt ebenfalls den Namen „Der Tod und das Mädchen“, weil Schubert das musikalische Motiv des Todes aus dem Lied im
2.Satz seines Quartetts selbst zitiert, variiert und weiterverarbeitet hat.

„Entstehungs-Geschichte“

2010 hörte der Schriftsteller und Dichter Semier Insayif die Interpretation der vier jungen und überaus kraftvoll spielenden Musikerinnen des CSQ - Carcassonne String Quartet des Streichquartettes „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert live in Wien. Dadurch angeregt kommt es zu einer intensiven Zusammenarbeit und Probenzeit. Dabei löst Semier Insayif aus seinem Roman „Faruq“ (Haymon Verlag, Innsbruck, 2009) die Figur einer jungen geheimnisvollen Frau heraus, bearbeitet und adaptiert seinen Text und ergänzt ihn inspiriert von Schuberts Musik und den gemeinsamen Probenarbeiten mit den Musikerinnen. Er erzählt dabei die dramatische Geschichte einer jungen Frau in Fragmenten. Diese poetische Sprachkomposition umspielt und durchdringt auf vielfältige Weise inhaltlich wie formal das große Schubertsche Streichquartett. In der gemeinsamen Begegnung des Autors mit den vier Musikerinnen entstehen gegenseitige künstlerische Impulse und wechselseitige Inspiration, die zu eigenen Bearbeitungen der Schubertschen Musik führen.

„Aufführungs-Geschichte“

Zur ersten Aufführung kam das Projekt „Der Tod und das Mädchen“ am 14.12.2010 in Wien, in der ÖGL – Österreichischen Gesellschaft für Literatur. Die Premiere wurde ein gefeierter Einstand für die Zusammenarbeit des Autors und der 4 Musikerinnen, die sich in ständiger Weiterentwicklung befindet.

In der „live-Performance“ hört man also die neu entstandene Textkomposition durch die Stimme des Autors und die überaus lebendige und eigenwillige Interpretation des CSQ - Carcassonne String Quartet, das mit individueller verve und hoher musikalischer Dichte überzeugt, und mit ihren zum Teil „eingestreuten“ Neubearbeitungssequenzen und kurzen spannungsgeladenen improvisatorischen Momenten mehr als nur zu überraschen weiß. Im Laufe der Perfomance variieren, begleiten, kontrastieren, überlagern und durchdringen sich die literarisch-poetischen und musikalischen Stimmen zu einem einzigartigen und neuen Gesamtkunstwerk.

 

CSQ
Carcassonne String Quartet

Das CSQ wurde 2009 von vier Absolventinnen der Kunstuniversität Graz gegründet.

Die Musikerinnen haben bereits viele Jahre in unterschiedlichsten Kammermusikformationen zusammengearbeitet und dabei musikalisch vielfältige Erfahrungen gesammelt. Sie sind mit Preisen bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet worden und können auf intensive Studien u.a. bei Martin Hornstein, Demetrius und Janna Polyzoides, Chia Chou, Dominika Falger, Stephan Görner und Michael Bochman zurückblicken.

Ihre Liebe zur Kammermusik hat sie bisher in variierenden Konstellationen in Konzertsäle Europas, Asiens und den USA geführt; durch das gemeinsame große Interesse an der Streichquartettformation haben diese vier jungen Musikerinnen zusammengefunden.

Stets auf der Suche nach neuen Perspektiven in ihren Konzerten programmiert das CSQ gerne kurze Duos neben Standartwerken der Quartettliteratur, oder stellt dem Publikum hörenswerte weniger bekannte Komponisten und Komponistinnen vor.

Die vier Musikerinnen des CSQ arbeiten zudem eng mit dem österreichischen Schriftsteller Semier Insayif zusammen; gemeinsam gestalten sie mehrere cross-over Auftritte in der Saison 2010/11, in denen die Wechselwirkung zwischen Literatur und Musik ausgelotet wird.

Chien-Ching Kuo, Violine, geb. 1983 in Tainan, Taiwan, kam mit 11 Jahren nach Graz. Sie studierte Violine und Kammermusik an der Kunstuniversität Graz u.a. bei Christos Polyzoides, Yair Kless, Dominika Falger, Chia Chou und Stephan Goerner. Sie nahm an zahlreichen Meisterkursen in Europa und in den USA teil, u.a. bei Demetrius Polyzoides, Elisabeth Polyzoides-Baich, Margherita Marseglia, Lewis Kaplan, Sally O’Reilly, Akiko Tatsumi und Martin Hornstein. Sie ist u.a. Preisträgerin beim Internationalen Canetti Wettbewerb in Cremona und 2005 beim A. und V. Marcosig Wettbewerb in Gorizia, und wird seit 2004 von der Yehudi-Menuhin-Stiftung „Live Music Now“ gefördert. Als Mitglied des Salonorchesters „Musique au Chocolat“ und des Grazer Kammerorchesters absolvier-te sie bereits zahlreiche Konzerte in Taiwan, China, im europäischen Ausland und in den USA. Mitglied im Klaviertrio „Triorität“, im „Carcassonne String Quartet“ sowie als Substitutin im Grazer Philharmonischen Orchester und Konzertmeisterin der Grazer Akademischen Philharmonie, mit der sie auch als Solistin konzertiert.

Fumi Uechi, Violine, geb. 1981 in Okinawa, Japan. Erster Violinunterricht mit 6 Jahren. 1997 gewann sie den 1.Preis an der All Okinawa Music Competition und 1998 die Silber-medaille an der All Kyusyu Music Competition. Sie studierte am Tokyo College of Music und an der Kunstuniversität Graz bei O.Uni.Prof.Eszter Haffner. Ab 2009 studierte sie bei Gastprof. Dominika Falger 2003-2005 gewann sie ein Stipendium von Okinawa Perfectual Human Resource Foundation. Internationale Konzerttätigkeit mit unterschiedlichen Orchestern und Kammermusikensembles. Mitglied des Orchester „Ambassade“ (Ensemble der Wiener Symphoniker), „Carcassonne String Quartet“, Musik-Theater Schönbrunn, Vienna Symphonic Players, Grazer Kammer Oper, Grazer Recriation Orchester, Grazer Akademisches Orchester, European Master Orchestra und Mitwirkende von Zahlreiche Theaterstücke in Wien, Steiermark, Burgenland, Kärnten und Niederösterreich.

Christiane Hörlein, Viola, geb. 1981 in München. Erster Geigenunterricht mit acht Jahren, wechselte mit sechzehn zur Viola und gewann beim Wettbewerb “Jugend Musiziert” 1998 und 2000 erste Preise. Nach einem sozialen Freiwilligendienst in Brasilien Violastudium an der Musikhochschule Nürnberg und an der Kunstuniversität Graz bei Prof. Herbert Kefer. Entscheidende musikalische Impulse durch intensives Studium bei dem Cellisten Martin Hornstein in den Jahren 2006/07. Weitere wichtige Impulse erhielt sie außerdem in Meisterkursen von Barbara Westphal, Jürgen Kussmaul, Georg Hamann, Demetrius Polyzoides und Michael Bochman. Während ihrer Studienzeit konzertierte sie mit Orchestern, wie z.B. der “Jungen deutschen Philharmonie” in der „Oper unter den Linden” Berlin und der “Alten Oper Frankfurt” und dem „Ensemble Interculturelle“ und in verschiedensten Kammermusikformationen. Mitglied im “Carcassonne String Quartet”, bei “Quartett&more” und in verschiedenen Kammerorchestern. Sie ist Stipendiatin der Orchesterakademie Ossiach seit der Saison 2009/2010.

Stefanie Waegner, Violoncello, deutsche und britische Staatsbürgerschaft. Cello- und Kammermusikstudium am Royal Northern College of Music, Manchester, England sowie an der Kunstuniversität Graz. Richtungsweisende Meisterkurse u.a. bei Martin Hornstein und Michael Bochmann. Stipendien in den USA, Taiwan und Österreich. Zahlreiche Aus-zeichnungen wie z.B. beim Internationalen Kammermusikwettbewerb in Thessaloniki, Griechenland. Kulturförderpreisträgerin der Stadt Fürth, Deutschland. Internationale Konzerttätigkeit (Europa, USA, Asien) in unterschiedlichen Orchestern und Kammer-musikensembles. Mitglied im Klaviertrio „Triorität“ und im „Carcassonne String Quartet“. Cellolehrerin in Manchester, Graz, Wien, Valencia (Spanien). Dozentin für Kammermusik und Cello bei den Workshops der Fränkischen Kammermusik Akademie. Sprachtrainerin
für Englisch. Sie spielt auf einem Cello des englischen Geigenbauers Corsby of Northhampton, datiert ca. 1780.

 
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