Martin Hornstein
   
         
 
selbst bewegt fremd (Literatur und Fotografie)
 

ausgangspunkte dieses projektes sind selbst wie fremd-bespie(ge)lungen photographischer wie auch poetischer bewegungsabläufe, die jeweils auf das andere, das fremde (medium) re/agieren - so selbst auch ur-sprung und anlass werden. photograph und autor, bild und text, auge und hand lassen verknüpfungen, verschreibungen, belichtungen und bespie(ge)lungen verschiedenster reihenfolgen entstehen, einem fremden organ und medium folgend, das selbst wieder reiz ist für (fremde) selbst betrachtung oder (eigene) fremd beschreibung. die arbeit entfacht sich intentional im ziehen von linien nicht im setzen von punkten.
das aufeinandertreffen von text und photographie, von insayif und reisinger will geladene gefüge schaffen, die eine intensivierung von bewegungen und ein vibrieren von rezeptiven möglichkeiten nach sich ziehen.
natürlich ist das sicht- und lesbar gewordene werk - werk aber als spur, die auf die wege aller lesenden und schauenden trifft. an dieser stelle setzt sich selbst bewegt fremd ein zweites mal thematisch als wunsch aus.

 

foto/text/beispiele
 
  (ein blick dicht)
   
  1
so weiß im grund da hinter sich ein wesen
an seiner stelle auf zu tauchen wellen
gleich als teil des ganzen auf gelesen

wie hin gesaugt an fäden schein bar ellen
wärts gelenkt gezogen ganz sich wendend
einwärts sein gesicht verzerrt in zellen

räumen auf zu lösen träume sendend
verstrickt in spuren fremder geister mächtig
in körpertiefen sinkend über blendend

und vor wand los gelassen eigen mächtig
   
  2
gesicht genau zu schädel über mächtig
einhergeschraubt von arm zu bein sich fangend
zu spinnen kopf auf mitte sinnen trächtig

verkreuzt und willen los im innern bangend
an seilen fadenscheinig sich zu ahnen
wo außen innen fast an sich gelangend

ein schatten riese körper lose bahnen
als totem an die wand zu hocken fragen
geschickt wo schwarz titanen

bedrohlich ohne augen blicke jagen
   
  3
so ringend um sich selbst bedroht zu jagen
wie aufgebäumt zu kreisen schraubt in zonen
fort sich aus zu fließen hoch zu ragen

wo körper schließend fest sich selbst bewohnen
um schlingend seine mitte ganz verwoben
besteigen schatten turm als wesen thronen

in wendelgängen kreisend ringsumwoben
auf weißer wand hybrid sich ab zu lösen
wie eins vom andern schiebend hoch erhoben

am ende alle fäden auf zu lösen
   
  ein blick aus blick
   
in bogen linien gleiten quer konturen schwarz
sich hebend ab und auf strukturen durch
durch scharfe muster saugend
fällt das auge huschend flink vor
bei an kanten unbekannter teil
objekte ohne sicht bar jeder haut schicht
rutschend unterm stoff geheim zu nähern
anonym ein blick detail verkleidet haft
blick los selbst aus sich her aus getreten
frei gesetzte phantasien wie falten auf zu werfen
schweben schleichend an den körper dicht heran
um streifend ab zu legen jede oberfläche hüllend
sich in nahe luft gefüge weit aus glattem schwarz
frei tauchend wie aus halbem herzen blickt
in sehnsucht quer aus sich her aus gebrochen
dieser standpunkt tief in den moment als
folge krönend seinen jehen augen blick
   
  selbst bewegt fremd
   

da zieht es sich in linien auf
baldachin diwan azur damast
streckt die fremde hand hin aus
chiffon gamaschen watte lava
greifend sich aus augentaschen
kandis lack limonen zucker sirup
tropft langsam ins pupillen schwarz
lila kuppelelexier in marzipan
seiner selbst betrachtung fremd
maskiertes haremsamalgam
so sehr bespiegelnd sich im eigenbild
rochierend x-beliebig chiffren risiko
so als ziffer zahl wie nummer heimat los
amberamulett karmesinrot im zenit
fragend wünschen auf den punkt geblickt
gitarren laute mandolinen ein hasardspiel
klingend in die knochenritzen eingezeichnet
scharf an die kandare so genommen
massieren sich symbole ungelöst
aus jasmin karaffen trinkend
über jede trockenheit der zunge
matt schach matt auf einem sofa
hört es sich aus seiner tasse sprechen
ein gedonner aus fanfaren chören singen
bunte papageienschnäbel sesam öffne dich
   

Die Fotos wurden für das Internet stark verkleinert und komprimiert, wodurch qualitätsmäßige Einbußen in Kauf genommen werden mussten.

Originalgrösse der Fotos:
ein blick aus blick 21 x 29,5 cm
ein blick dicht 1-3 17,3 x 28,5 cm
selbstbewegtfremd 29,5 x 29,5 cm

copyright © Martin Reisinger

 
KURZBIOGRAPHIE Martin Reisinger

geboren 1969 in Amstetten, NÖ

Studium der Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien:
Klavier: bei Sigmond Szabo; Gesang: bei Albert Kalkstein; Komposition: bei Heinz Kratochwil

Studium: Pädagogik Psychologie, Philosophie an der Universität Wien

Gesang und Theaterarbeit mit Meredith Monk in New York

Literatur-Workshops bei Ginka Steinwachs

Musiktheaterprojekt: "O.E.L. - die Feder Phantsie", mit Harald Huber und StudentInnen der Musikhochschule Wien.

Gründung der Gruppe: The Half Sense Company (gem. mit Alexandra Peternell und Christian Zörnlaib 1992)
Lesungen, Half-Sense-Theater

Gründung von Synforming AnArt 1994 (gem. mit Eva Prünner und Daniela Schmeiser)

Performances:

danubia - tangling - gangling (Kunstschule Wien)
ritual I (Ravelsbach - Internationale Sommerseminare für bildende Kunst)
ritual II (Echoraum, Wien)
process one (WUK)
process two (Altes AKH)
wer und (ehem. Molkerei - Wien 2)
process three (Galerie Berchtold - Berggasse)
onanaktion (Wien - öffentlicher Raum)
process four (Wien - öffentlicher Raum)
happening one (Cafe Carina, Wien)

Ausstellungen (S/W Photographie):

1999:
"studies of rhythm"
im Miles Smiles, Wien
"55 Photographs at 55 Mercer" (Ausstellungsbeteiligung)
at 55 Mercer Gallery, New York

2001:
"selbst bewegt fremd" in der Galerie p.s.kunst, Wien
gemeinsam mit dem Schriftsteller Semier Insayif

2002:
"studies of motion" im Feldenkrais Zentrum Wien
"summer living room" in der Gastwirtschaft Jorgos, Wien
gemeinsam mit dem Maler Andreas Schwab

 
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